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Erschienen am
11.4.2010

Warum Sie mit Bluthochdruck niemals auf Seite 1 bei Google kommen (höchstens durch die Hintertür)

Heiko Pröger

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Sie kennen das vielleicht: Sie haben eine Website aufgesetzt – nehmen wir einmal an, zum Thema „Bluthochdruck“ – und haben viel Geld in die Hand genommen, um die Website mit allen möglichen Extras zu spicken – Flash-Banner, Kommentarfunktion, Videos etc. Sogar eine Suchmaschinenoptimierung (SEO) haben Sie gekauft um ihre Inhaltsseiten für den Begriff „Bluthochdruck“ zu optimieren.Nach ein paar Wochen stellen Sie fest, dass Sie leider auf der ersten Google-Ergebnisseite zum Suchbegriff „Bluthochdruck“ nicht auftauchen. Nach einigem Suchen können Sie ihre Website nicht einmal auf den ersten 10 Ergebnisseiten finden und rufen erbost bei Ihrer SEO-Agentur an. Die teilt Ihnen mit, dass Sie auf Platz 768 bei Google stehen.Wie kann das sein?Nun, es hängt damit zusammen, dass es offen gesagt schon eine Menge Websites gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Darunter solche, die schon mehrere Jahre online sind und in dieser Zeit große Mengen an Inhalten angehäuft haben und sehr gut vernetzt sind. Alles Faktoren, die Google beim Ranking von Websites berücksichtigt (neben etwa 1.000 anderen Faktoren).Da haben Sie keine Chance.Die gute Nachricht ist aber, dass Ihre Patienten weitaus komplexer denken als Sie meinen. Viele Patienten nutzen das Web schon seit Jahren und wissen deshalb, dass sie auf der Suche nach guten Informationen auch gute „Fragen“ an Google stellen müssen. Die Suche nach „Bluthochdruck“ liefert 931.000 Ergebnisse, die nach „Bluthochdruck senken“ 116.000 und die nach „bluthochdruck senken erfahrungsbericht“ 24.100.Und jetzt ahnen Sie, was eine kluge Strategie wäre: zu versuchen, Ihre Seite für Suchanfragen wie „bluthochdruck senken erfahrungsbericht“ zu optimieren.„Aber wie soll ich wissen, was die Patienten in die Suchmaschine eingeben?“ werden Sie vielleicht fragen. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit eine Handvoll Patienten und Ärzte zu befragen, welche Art von Informationen sie normalerweise suchen. Am besten, man erkundigt sich bei Patienten in unterschiedlichen „Phasen“ (z.B. kurz nach der Diagnose, nach ein paar Wochen Behandlung, nach erfolgreicher Behandlung…) und Ärzten mit unterschiedlichen Schwerpunkten.Aber es gibt auch diverse Hilfsmittel, mit denen Sie das Suchverhalten von Patienten selbst analysieren können. Kostenlos nutzbar ist z.B. das Google Keywords Tool, das für jeden Begriff relevante Suchbegriffskombinationen ausgibt und anzeigt, wie häufig diese gesucht werden und wie hoch die Mitbewerberdichte (Anzahl konkurrierender Bieter im Bezug auf die Schaltung von Google Adwords) ist.Für Bluthochdruck ist die Liste sehr lang und aufschlussreich:

Natürlich kann man nicht Inhalte für jede dieser Suchausdrücke bereit stellen. Aber es lohnt sich durchaus, sich mithilfe von Interviews und Tools mit den Wünschen und der Sprache der Patienten vertraut zu machen, bevor das Konzept und die Sitemap für die zu erstellende Patientenwebsite entworfen werden.Und fast noch wichtiger: Es zahlt sich aus, jede einzelne Seite der Website für Suchmaschinen zu optimieren, und zwar technisch und redaktionell (z. B. sollte jede Seite ihren eigenen, charakteristischen Page Title haben). Machen Sie sich Gedanken, was die zwei wichtigsten Begriffe pro Seite sind und optimieren Sie Ihre Texte dementsprechend.Dann bietet sich die Chance doch noch – quasi über die Hintertür – mit einer Seite bei Google auf Platz 1 zu kommen. (Hintertür ist vielleicht der falsche Begriff: es handelt sich um eine völlig legitime Methode, an die man aber im ersten Moment nicht gleich denkt.) Im oben gezeigten Beispiel bestünde z. B. eine reelle Chance für den Suchausdruck „folgen bluthochdruck“ bei Google weit vorne zu landen, da hier die Mitbewerberdichte ziemlich niedrig ist. Immerhin suchen im Schnitt 320 Leute pro Monat nach diesem Suchausdruck.Lohnt es sich auf diese Nebenschauplätze auszuweichen? Unbedingt! Denn je mehr Inhalt Sie haben und je besser dieser für die Einzelthemen optimiert ist, desto mehr Nutzer sammeln sie von den einzelnen Unterthemen ein. Da kommt einiges zusammen!Und das Beste: Je spezieller die Suchanfragen sind, die zu Ihnen führen, desto sicherer können Sie sein, dass die Nutzer auf Ihrer Website wirklich relevante und nützliche Inhalte gefunden haben und dort bleiben. Mit anderen Worten: Der Traffic, der über spezielle Suchbegriffe wie „bluthochdruck senken erfahrungsbericht“ zu Ihnen kommt, ist viel hochwertiger als der Traffic, den Sie vielleicht über eine teure Adwords-Kampagne zum Begriff „Bluthochdruck“ auf Ihre Seite lenken.

Diesen Ansatz nennt man „Long Tail“, weil der „Rattenschwanz“ an Suchbegriffen, mit denen Nutzer auf Ihre Website kommen, so unglaublich lang ist. Es können viele tausend Suchausdrücke sein, die zu Ihren Inhalten führen. Es macht sich bezahlt, mehr auf diese Suchbegriffe zu schauen, als auf die Begriffe, die Ihnen als erstes in den Sinn kommen.

Heiko Pröger

Heiko Pröger

ist seit 2004 bei Spirit Link und seit 2019 einer der Geschäftsführer. Er berät Kunden aus der Medizintechnik- und Pharmabranche in Fragen der MarCom-Strategie. Sein liebstes Betätigungsfeld: sich neue Vorgehensweisen und Methoden ausdenken, um in Projekten möglichst effizient zu effektiver Marketingkommunikation zu kommen.

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Heiko Pröger

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